Christustag 2015

Christustag Bayern: „Unsere ganze Existenz ist geprägt durch die Gnade Gottes“


Die elementare Bedeutung der Gnade Gottes stand im Mittelpunkt des dritten bayerischen Christustags, der federführend vom Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC) organisiert wurde. Mit dem reformatorischen Motto „Allein die Gnade“ solle wieder neu bewusst gemacht machen, dass die ganze Existenz des Menschen „geprägt ist durch Gottes Gnade“, wie es in einer an den fünf regionalen Veranstaltungsorten verlesenen Erklärung heißt. Im Zentrum stehe dabei das Geschenk der Erlösung durch Jesus Christus. Die Antwort des Menschen auf die Gnade Gottes sei der Gehorsam des Glaubens, sonst drohe dieses Geschenk als „billige Gnade“ missbraucht zu werden. Wörtlich heißt es in der Erklärung: „Die Gnade Gottes hebt die Gebote nicht auf.“ Es sei auch fatal, wenn versucht werde, mit dem Liebesgebot Jesu (Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst) andere biblische Gebote auszuhebeln: „Bei Jesus gehören die Liebe und das Halten der Gebote zusammen.“

Auf diese Aspekte gingen auch die Redner an den verschiedenen Veranstaltungsorten ein. So stellte der ABC-Vorsitzende, Pfarrer Till Roth, beim Christustag in Memmingen das „machtvolle und befreiende Handeln Gottes“ heraus: Gnade bedeutet, dass alle Urteile über den Menschen, seien es die Urteile anderer, seien es die Urteile über einen selbst, im Lichte Gottes aufgehoben würden: „Wer Gottes Gnade erlebt, ist zutiefst berührt, verwundert und entsetzt: Gott spricht mich frei und macht mich zu seinem Kind.”



Der Religionsphilosoph Harald Seubert warnte in Lauf an der Pegnitz davor, in der „Wohlfühl- und Wellnessgesellschaft der Moderne“ auf die Rede von der Sünde zu verzichten: „Nur wenn man von Schuld und Verzweiflung spricht, kann man ermessen, welche befreiende Gnade und Kraft Jesus Christus bedeutet.“

Der ehemalige CVJM-Generalsekretär Ulrich Parzany, der in Lauf und im mittelfränkischen Unterschwaningen sprach, kritisierte Fehlentwicklungen innerhalb der evangelischen Kirche. Wenn die Autorität der Bibel in Frage gestellt werde, gehe auch die Basis für die Glaubensgewissheit verloren: „Wenn der gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus nicht der einzige Retter ist, dann verkommen Gnade und Glaube zu psychologischen Begriffen, mit denen man spielen kann, ohne von Jesus Christus zu reden“, so Parzany.

Auch das 25jährige Jubiläum der Wiedervereinigung war Thema beim diesjährigen Christustag. Er sehe in der Einheit ein Gnadengeschenk Gottes, erklärte in München der aus Sachsen stammende ehemalige Superintendent Peter Heß: „Ein Günter Schabowski kann sich irren“, so Heß im Rückblick auf den legendären Fernsehauftritt des SED-Politikers, „doch Gott irrt sich nicht. Und er benutzt bei seinen Plänen sogar Menschen wie Schabowski, die sich irren.“ In Berg bei Neumarkt (Oberpfalz) begann der Christustag am Tag der deutschen Einheit mit einem ökumenischen Gottesdienst.

Zu den Veranstaltungen an den fünf Veranstaltungsorten kamen mehr als 1.500 Besucherinnen und Besucher, die meisten davon nach Memmingen (rund 700) sowie nach Unterschwaningen und Lauf (jeweils knapp 300). Der nächste bayerische Christustag soll am 3. Oktober 2017 stattfinden und sich dem vierten reformatorischen Grundsatz „Allein der Glaube“ widmen.