Christustag 2018 - Bekenntnis zu Christus und Ethik gehören zusammen

Rund 1.800 Besucher kamen zu sieben regionalen Treffen



Das Bekenntnis zu Jesus Christus muss immer wieder im Zentrum kirchlichen Handelns stehen. Diese Botschaft stand im Mittelpunkt des fünften bayerischen Christustags, der vom Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC) organisiert wurde. In einer Erklärung zum Motto des Tages „Bekennen und leben: Gott allein die Ehre“ heißt es: „Am Bekenntnis zu Jesus Christus entscheidet sich das ewige Geschick des Menschen: Entweder wir bekennen Jesus als Herrn und sind durch ihn gerettet oder wir verleugnen ihn und gehen verloren.“ Weil vom Bekenntnis die Ewigkeit abhänge, dürften weder der Zeitgeist noch „theologische Phantasiegebilde“ oder „Politische Correctness von Kirchenleitern“ davon abhalten, Jesus zu bezeugen und Gott allein die Ehre zu geben.

Dabei betonten mehrere Sprecher die Beziehung zwischen dem Bekenntnis und dem konkreten Handeln. So sagte der ABC-Vorsitzende Dekan Till Roth (Lohr am Main) bei seiner Predigt beim Christustag in Regensburg: „Gott zu ehren kann nicht getrennt werden von der Ethik, davon, wie wir unser Leben führen.“ Hier zeige sich eine tiefe Übereinstimmung zwischen Altem und Neuem Testament: Gottes- und Nächstenliebe hingen immer zusammen. Überall dort, wo Kirche diakonisch tätig werde, müsse sie auch deutlich machen, dass dies im Gottesverständnis wurzele.


In Berg (Dekanat Hof) nahe der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze riefen der frühere bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein sowie der Hofer Landrat Oliver Bär zur Dankbarkeit für die deutsche Einheit auf. Die Wiedervereinigung und die Erlangung der Freiheit sei von den Kirchen ausgegangen, so Bär. Allerdings müsse man erkennen, dass sich manche Hoffnungen der Jahre 1989/1990 nicht erfüllt hätten, sagte Beckstein: Heute könne man von einer Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West in dem Sinn sprechen, dass auch die Kirchen im Westen auf Rückgang gepolt seien. Beckstein beklagte, dass das Wort Mission in der Kirche eine Art Unwort sei, während man im Geschäftsleben oder im Sport wie selbständig von „Mission“ rede. Gerade vor dem Hintergrund, dass ein zunehmender Populismus beklagt werde, sei es umso wichtiger, dass sich Christen stärker zum Glauben an Jesus Christus und zu den Werte-Grundlagen bekennen. In diesem Zusammenhang hob Beckstein, der auch lange Mitglied der bayerischen Landessynode war, die Bedeutung der Zehn Gebote hervor. Unter Verweis auf das Gebot „Du sollst nicht töten“ mahnte er einen stärkeren Einsatz der evangelischen Kirche gegen Abtreibungen an.



Auch Pfarrer Ulrich Parzany, der Vorsitzende des Netzwerks Bibel und Bekenntnis, stellte die Zehn Gebote in den Mittelpunkt seiner Beiträge in Lauf an der Pegnitz sowie in Lichtenfels. Es sei bemerkenswert, dass dieser Text zunächst mit der Liebeserklärung Gottes an den Menschen beginne. Daher sei es entscheidend, die Gebote immer im Zusammenhang mit dem Bekenntnis zu Gott zu lesen. Ein „atheistischer Humanismus“, der heute weit verbreitet sei, habe kein tragfähiges Fundament: „Aus der Beziehung zu Gott kommt die Orientierung und die Kraft zum Leben“, so Parzany. Gebote oder Werte ohne die Beziehung zu Gott hätten keine Wirkung: „Ihnen fehlt die Antriebskraft.“



Bei seinen Vorträgen in München und Regensburg erinnerte der indische Philosoph und Publizist Vishal Mangalwadi daran, dass die freiheitliche Kultur des Westens auf der Grundlage der Bibel und den Erkenntnissen der Reformation entstanden sei. Dies dürfe der Westen nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Wo Gott vergessen werde, stünden Gesellschaften in der Gefahr, in eine „Tyrannei des Menschen“ abzugleiten und die Freiheit zu verlieren: „Was in den 1930er Jahren geschehen ist, kann wieder passieren“, so Mangalwadi: die Freiheit sei ein sehr verletzlicher Wert.



Der frühere Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Professor Dr. Rolf Hille, mahnte in seiner Predigt in München, die Kirche müsse immer wieder die wesentlichen Themen des Glaubens weitergeben. Von Anfang an sei die Kirche in der Gefahr gewesen, nach Macht und Ansehen in der Welt zu streben – oft auf Kosten des klaren Bekenntnisses. Dem habe Jesus eine klare Absage erteilt. Seine Gemeinde müsse auch bereit sein, mit ihm den Weg des Leidens zu gehen: „Nicht nach irdischem Triumph sollen Christen verlangen, sondern den Weg des Kreuzes bejahen, bis Christus sein Reich selbst aufrichtet“, so Hille.



Der Christustag Bayern fand zum fünften Mal nach 2012, 2014, 2015 und 2017 statt. Zu den Veranstaltungen an den sieben Veranstaltungsorten kamen rund 1.800 Besucherinnen und Besucher, die meisten (ca. 400) davon nach Weiltingen (Dekanat Dinkelsbühl), wo der Rektor des Diakonissenmutterhauses Hensoltshöhe, Pfarrer Dr. Wolfgang Becker, predigte. Hier fand auch ein Kinder-Familien-Mitmach-Gottesdienst mit dem Liedermacher und Pfarrer Johannes Roth statt. In Wilhermsdorf (Dekanat Neustadt/Aisch) berichtete eine iranische Christin, wie Jesus ihr Leben verändert habe. In Lichtenfels trat mit Dr. Nikolai Krasnikov ein Vertreter der „Messianischen Juden“ auf, eine Gemeinschaft von Juden, die Jesus als Messias bekennen.